Eine seltsame Geschichte ist die von Hänsel und Gretel. Das Märchen der Brüder Grimm, das von der Schwester des Komponisten in Theaterform umgeschrieben wurde, wurde zunächst im Familienkreis aufgeführt. Auf Einladung der Komponistin fügte Humperdinck nach und nach einige eigene Melodien hinzu, die auf traditionellen Liedern basierten. Das Projekt wurde immer größer, bis 1893 in Weimar eine Märchenoper in drei Akten unter der Leitung von Richard Strauss uraufgeführt wurde, der weniger als ein Jahr später Gustav Mahler in Hamburg folgte. Der Erfolg stellte sich also sofort ein und wurde bald auch auf internationaler Ebene bestätigt. Wie lässt sich dieser Erfolg erklären? Zunächst einmal aus musikalischen Gründen: Als bewundernder Schüler Wagners verstand es Humperdinck, die harmonische Subtilität und die orchestrale Wissenschaft seines Meisters, seine Kunst der Leitmotive und der infinitesimalen Übergänge mit der Einfachheit der volkstümlichen Rhythmen und Melodien zu verbinden, und ging sogar so weit, in seine Partitur Kinderreime zu integrieren, die noch heute von deutschen Schulkindern gesungen werden. Was das Märchen selbst betrifft, so hatten der Musiker und seine Librettistin viel Zeit, die Zutaten zu dosieren und ihre Wirkung auf ihr junges Familienpublikum zu messen. Das Ergebnis ist, wie in der Musik, ein Wunder der Ausgewogenheit. Selbst in der abgeschwächten Version kann die Handlung noch einige Spuren ihrer ursprünglichen Grausamkeit erkennen lassen. Zwar ist aus der bösen Stiefmutter eine nette Mutter geworden, und die böse Hexe Knabber hat keine Zeit mehr, die kleinen Kinder zu fressen, aber man ahnt dennoch, dass die Sache noch viel schlimmer hätte ausgehen können. Und man fröstelt köstlich, aber ohne zu zittern... Gemeinsames Projekt mit der Association Bourguignonne Culturelle (A.B.C.)
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