Als Monteverdi 1642 seine letzte Oper komponierte, hatte er bereits mehr als drei Jahrzehnte Erfahrung in dem Genre, das er mitbegründet hatte. Seit seinem Orfeo hatte er die Beziehung zwischen Text und Musik immer weiter vertieft und daran gearbeitet, die dramatischen und psychologischen Ausdrucksqualitäten der Partitur zu perfektionieren. Das Libretto, das Giovanni Francesco Busenello dem lateinischen Historiker Tacitus entnommen hat, eröffnet ihm neue Felder der Erforschung. Das fest und zugleich geschmeidig komponierte Werk ist von schillernder Vielfalt: Im Wechsel von Erhabenem und Komischem, den Nächten des Eros und denen des Thanatos reicht seine Besetzung vom unausgeschlafenen Wächter oder der alten zynischen Amme über die Blüte der römischen Oberschicht bis hin zu Gottheiten wie Minerva, Merkur oder der Liebe selbst: Nero, seine Frau Octavia, die er zugunsten der schönen Poppea verstoßen will, Otho, der amtierende Liebhaber von Poppea, und Drusilla, die die Situation ausnutzen will, um ihn zurückzuerobern. Auf dem Weg dorthin wird der Philosoph Seneca vom Tyrannen zum Selbstmord gezwungen, dem es nicht gefällt, dass sein alter Hauslehrer sich seinem Willen widersetzt... L'Incoronazione di Poppea endet mit einem außergewöhnlichen Duett zwischen Nero und seiner triumphierenden Geliebten und ist ein Werk von schwindelerregendem Amoralismus, in dem die Macht der Leidenschaften und der Macht ohne Maske zur Schau gestellt wird. Begehren und Gewalt lassen sich hier freien Lauf, als ob nichts der Musik und der Liebe widerstehen könnte, solange sie dauern...
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